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    Du sollst nicht träumen!

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Montag, 01 Mai 2017 – 10:20 Uhr

Heilung für Geist und Seele (Teil 6) Die Nerven behalten

Die Nerven behalten
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Brauchst du Ermutigung? Dann lies bis zum Schluss! Von Elden Chalmers
 

Neue Bahnen im Gehirn entstehen durch die bewusste Entscheidung, in einer bestimmten Situation anders als gewohnt zu reagieren. Durch die wiederholte bewusste Entscheidung werden auf der neuen Nervenbahn mehr Boutons [siehe Teil 5 dieser Artikelserie] gebildet, als auf der alten vorhanden sind.

Wenn jetzt Nervenströme durch das Gehirn fließen, schlagen sie viel eher die neue Bahn ein. Von jedem Hauptfortsatz (Axon) einer Zelle zweigen ja viele Fortsätze ab, die wir als Alternativbahnen nutzen können.

Mit anderen Worten: Wir können uns für eine andere Bahn entscheiden – für Mitgefühl statt Wut, für Lob statt Kritik, für Hilfsbereitschaft statt Beleidigungen. Wenn wir der Versuchung zum Unrechttun widerstehen, werden Neurotransmitter oder Botenstoffe wie GABA ausgeschüttet, die sofort die Bremse ziehen.1

Häufig empfängt die Nervenzelle jedoch widersprüchliche Botschaften. Einige sagen: »Komm schon, tu es einfach!« Andere sagen: »Nein, lieber nicht!« Wofür soll sich die Nervenzelle nun entscheiden? Das ist die Frage. Woher weiß eine Gehirnzelle, was sie tun soll?

Entscheidungsabläufe im Gehirn

Angenommen, ich bin versucht, ein Stück Kuchen zu essen, obwohl ich eigentlich meine Diät einhalten wollte. Ich denke: »Sieht der Kuchen aber köstlich aus!« Sofort geht ein verschlüsseltes Stromsignal von, sagen wir mal, 30 Millivolt als Befehl an die entsprechende Zelle in der motorischen Hirnrinde: »Feuern!«

Im selben Moment denke ich aber auch: »Ich esse lieber nichts davon!« Augenblicklich erhält dieselbe Zelle eine durch die Substanz GABA vermittelte elektrische Information über eine andere Bahn von 40 Millivolt: »Nicht feuern!« (Je stärker meine Entschlossenheit, desto größer der elektrische Impuls.)

Die Gastgeberin reicht mir zwar bereits das Stück Kuchen, aber ich habe meine Entscheidung schon getroffen, wenn auch nur mit einer knappen Mehrheit von 10 Millivolt. Daher sage ich zögernd: »Nein, danke.«

Es sind also mindestens 10 Millivolt Spannung nötig, um eine Gehirnzelle zum Handeln zu bewegen. In diesem Fall hat meine Gehirnzelle rasch gerechnet: 30 Millivolt: feuern, 40 Millivolt: nicht feuern. Differenz: 10 Millivolt: nicht feuern!

Wenn finstere Mächte es aber darauf abgesehen haben, mich dazu zu bringen, meinen guten Vorsatz zu brechen, sagen sie sich: »Wir haben verloren, aber nur knapp!« Dann schmieden sie fürs nächste Mal einen besseren Plan. Sie können zwar keine Gedanken lesen, aber aus zögerndem Verhalten sehr wohl ihre Schlüsse ziehen.

Ein physiologisches Zählwerk

Vor etwa hundert Jahren schon machte der bedeutende Psychologe William James darauf aufmerksam, dass Gewohnheiten auf molekularen Grundlagen beruhen:

»Wenn den jungen Leuten klar wäre, wie schnell sie zu wandelnden ›Gewohnheitstieren‹ werden, würden sie ihrem Verhalten in dieser formbaren Phase mehr Aufmerksamkeit schenken. Wir zimmern uns auf die eine oder andere Weise unser eigenes unwiderrufliches Schicksal zurecht.
Jede noch so kleine tugend- oder lasterhafte Handlung hinterlässt deutliche Spuren. Der Säufer Rip van Winkle in Jeffersons Theaterstück entschuldigt sich jedes Mal, wenn er sich betrinkt, mit den Worten: »Dieses Mal zählt nicht!« Selbst wenn er und ein nachsichtiger Himmel es nicht täten, es wird dennoch mitgezählt. In seinen Nervenzellen und -fortsätzen zählen die Moleküle mit, sie registrieren und speichern alles, um es bei der nächsten Versuchung gegen ihn zu verwenden. Was wir auch tun, nichts wird im streng wissenschaftlich wörtlichen Sinne je ausgelöscht.
Natürlich hat das auch seine guten Seiten. Man wird zwar durch viele einzelne Gläser schließlich zu einem Alkoholiker, kann aber genauso durch viele einzelne Taten und Arbeitsstunden moralisch zu einem Heiligen sowie praktisch und wissenschaftlich zu einer Autorität und einem Experten werden.«

Dann fügt Dr. James hinzu:

»Junge Leute brauchen sich keine Sorgen um das Ergebnis ihrer Ausbildung zu machen. Wenn sie ihre Arbeit jederzeit gewissenhaft tun, können sie sicher sein, dass sie eines Morgens aufwachen und sich unter den Kompetenten ihrer Generation wiederfinden, ganz egal für welches Ziel sie sich auch entschieden haben. In aller Stille hat sich ihr Urteilsvermögen für ihr Fachgebiet inmitten aller Details ihrer Aufgaben gebildet. Das geht ihnen nicht mehr verloren. Junge Leute sollten das im Voraus wissen. Wahrscheinlich ist das fehlende Wissen um dieses Prinzip die häufigste Ursache für Resignation und Mutlosigkeit bei Jugendlichen, die eine schwere Laufbahn angetreten haben.«2

Oder wie eine andere visionäre und fortschrittliche Pädagogin es ausdrückte: »Jeder von uns wird für alle Ewigkeiten das sein, wozu ihn seine Gewohnheiten machen.«3

Das Wesen einer Person, ihr Charakter, ist nicht geheimnisvoll oder unergründlich: »Der Charakter zeigt sich nicht durch gelegentliche gute oder schlechte Taten, sondern durch die Tendenz der Worte und Taten.«4

Was tun, wenn ich rückfällig werde?

Angenommen, ich werde doch einmal rückfällig und rutsche wieder in die alte Bahn zurück. Vielleicht führe ich schon seit Monaten ein neues, verändertes Leben, falle dann aber plötzlich in meine alte Gewohnheit zurück und verliere die Kontrolle. Wenn mir dann ein Dämon ins Ohr flüstert: »Siehst du! Du hast nichts erreicht. Du hast dich überhaupt nicht verändert, sondern bist immer noch derselbe«, darf ich solchen Gedanken auf gar keinen Fall Beachtung schenken! Hat er mich denn auch an die Siege erinnert, die ich auf der neuen Bahn schon errungen habe? Oder hat er mir verschwiegen, welche physikalischen und chemischen Veränderungen in den neuen Bahnen in meinem Nervensystem schon stattgefunden haben?

Wenn ich also falle, sollte ich wieder aufstehen und an den neuen Bahnen weiterbauen. Ich verliere auf der neuen Bahn auf keinen Fall an Boden – diese Boutons verschwinden nicht durch einen gelegentlichen Fehltritt!

Jeder Erfolg auf der richtigen Bahn ist ein Versagen weniger. Am Ende hat sich ein so starkes Muster in die richtige Richtung entwickelt, dass ein Rückfall in alte Verhaltensweisen immer unwahrscheinlicher wird.

Ausblick

Heilung für ein krankes Gehirn – Depressionen überwinden, Ängste, Panik, etc. – heißt völlig neue Gewohnheiten entwickeln. Wie aber entwickelt man heilsame Gewohnheiten, die stärker sind als die alten? Die nächsten beiden Artikeln versuchen, darauf eine Antwort zu geben.

Fortsetzung              Teil 1 der Serie

1 GABA, gamma-Aminobutyric acid, γ-Aminobuttersäure, ein hemmender Botenstoff im menschlichen Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark). GABA hemmt die Nervenzelle, zieht also praktisch die Bremse an.
2 James, William. Great Books of the Western World, vol. 53, p. 83.
3 White, Ellen G., Testimonies, vol. 4, p. 452.
4 White, Ellen G., Steps to Christ, p. 58.

Elden M. Chalmers, Healing the Broken Brain, Science and the Bible Reveal How the Brain Heals, Remnant Publications, Coldwater, Michigan, 1998, S. 30-34


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